Romantisch klagendes Requiem

Artikel in der PNP vom 22.11. 2017

André Gold interpretiert mit seinen Euregio-Chören Johannes Brahms


Altötting.
 Trost ist nötig in traurigen Zeiten. Nicht nur die, die Trauer tragen um den Verlust eines geliebten Menschen – wir alle brauchen Trost. Am deutschen Volkstrauertag 2017 wurde erstmals auch der Welttag der Armen begangen. Johannes Brahms (1833-1897) wusste vor 150 Jahren von keinem der beiden Gedenktage, die einmal sein 1865 komponiertes, drei Jahre später in Bremen uraufgeführtes „Deutsches Requiem“ als Ausdruck von Trauer und Tröstung zur Aufführung bringen könnten.

Sophie Mitterhuber, Sopranistin am Münchner Gärtnerplatztheater, bei ihrem berührenden Solo im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms in der Altöttinger Basilika St. Anna. − Foto: Gärtner

André Gold, der 38-jährige Meister-Dirigent mit bereits hohen Ehrungen und Aufgaben, hat mit Brahms gemeinsam, dass ihm, Gold, wie seinerzeit Brahms, die Chöre und also die Kompositionen für mehrere Singstimmen am Herzen liegen. Schon zweimal widmete der überaus tüchtige und einfühlsame André Gold sich dem „Deutschen Requiem“, bevor er es aus gegebenem Anlass nach Mattighofen auch in Altötting erklingen ließ. Die großräumige Basilika St. Anna trug mit ihrer guten Akustik zu dem mit herzlicher Zustimmung bekundeten Erfolg des relativ gut besuchten geistlichen Konzertes bei.

Mit durchdringender Emphase und einer für einen jungen Mann seltenen bekennenden Frömmigkeit leitete André Gold in gewohnter Einheitlichkeit den „euregio oratorienchor Altötting“ und den „euregiochor Mattigtal“ durch die grau verhangenen Nebelfelder endzeitlichen Gedenkens aller irdischen Existenz. Gold lag daran, stets den Schleier zu lüften, der auf Vergeblichkeit und Seelenqual derer lastet, die ihre Toten zu beklagen haben. „Freude und Wonne werden sie ergreifen und Schmerz und Seufzen wird weg müssen“, dichtete Jesaias als einer der Propheten, die die Gewissheit der Wiederkunft des Herrn und „Freude, ewige Freude“ den „Erlöseten“ versprachen.

Viele schöne „Worte der Heiligen Schrift“, ob aus Apostelbriefen oder der Johannes-Offenbarung, grub der 33-jährige Johannes Brahms für sein romantisch durch Chor- und Einzelgesang sowie Streich- und Blasinstrumentalmusik verklärendes Opus 45 aus, das ihn dem Protestantismus verbunden zeigt. Kein rufendes „Libera me, domine!“ seines italienisch katholischen Kollegen Verdi, erst recht kein donnerndes apokalyptisches „Dies irae, dies illa“ sind in seinem „Requiem“ zu hören. Dagegen ist von lieblichen Wohnungen des Herrn Zebaoth zu hören und von milden Selig-Preisungen. „Selig“ umrahmt als erstes und letztes Wort den (nord-) „deutschen“ Trauergesang des würdigsten aller erklärten Beethoven-Nachfolger.

Die in den Frauenstimmen besonders klangschön besetzten beiden Euregio-Chöre – sie ließen daran denken, dass es ein von Brahms in Hamburg gegründeter Frauenchor war, der den Kantor zu Chorkompositionen anregte – brachten hartnäckig und textverständlich die Mahnungen zu „Geduld“ und „Zuwarten“ zum Ausdruck. Nicht Vergehen, sondern Verwandlung sei uns Trost und Auferstehung unter Posaunenschall Gewissheit.

Die Prager Philharmoniker unterlegten den siebenteiligen Trost-Hymnus eher zurückhaltend denn auftrumpfend, trugen Wohllaut und Feinsinn in das 70-minütige Abendkonzert bei hell erleuchteter Kirche, stets den Vorgaben des das berühmte Prager Instrumentalensemble mit Feuereifer führenden Dirigenten. Der war in der Wahl seiner beiden Solostimmen beim vor wenigen Tagen erst in neuem Glanz wiedereröffneten Staatstheater am Gärtnerplatz treffsicher auf zwei junge Ensemblemitglieder aus Österreich gestoßen: den Bariton Christoph Filler und die Sopranistin Sophie Mitterhuber. In ihren schlichten, aller Opernpose fernen Auffassungen sangen sie mit berührenden Stimmen textkonform von der Kleinheit des Menschen vor Gott und vom Wiedersehen mit den Verstorbenen dort, wo allen auf ewig Trost sein wird und Gnade.

Hans Gärtner

Einladung zu „Ein Deutsches Requiem“ von J. Brahms, op.45

„Ein Deutsches Requiem“

von Johannes Brahms

– euregio oratorienchor –

Wir laden Sie herzlich ein und freuen uns auf Ihr Kommen.

Samstag, 18.11.2017 – 18:00 Uhr
(Einlass 17:15 Uhr)
Stiftskirche Mattighofen/Oberösterreich

Sonntag, 19.11.2017 – 18:00 Uhr
(Einlass 17:15 Uhr)
Basilika, St. Anna
Altötting

Ausführende:

  • euregio oratorienchor Altötting, e. V.
  • euregiochor Mattigtal

Solisten:

Sophie Mitterhuber (Sopran)
Christoph Filler (Bariton)

Orchester:

Prager Philharmoniker

Dirigent:
André Gold

Schirmherr: Landrat Erwin Schneider

Eine ausführlichere Information zum Konzert finden Sie in dieser Pressemitteilung.

Mehr Information zu „Ein Deutsches Requiem“ finden Sie hier.

Karten für die Veranstaltungen gibt es ab EUR 17,- hier (Inn-Salzach-Ticket mit den bekannten Vorverkaufsstellen/Kulturbüro Mattighofen) und an der Abendkasse.

Herzliche Grüße

von den Mitgliedern des
euregio oratorienchors