Freche Lieder, frisch und klangstark

Artikel in der PNP vom 20.08.2018

Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana setzt im Konzertsommer markanten Schlusspunkt

Burghausen. Der Aufwand war schon immens: Sänger aus ganz Deutschland wurden zusammengeholt, um Carl Orffs Meisterwerk nicht nur erklingen, sondern auch wirken zu
lassen. SigridWeigl, die bei der Chorgemeinschaft Burghausen den Stab schwingt, hatte für das Werk zudem noch einen Kinderchor auf die Beine gestellt. Ein ganzes Wochenende probten die insgesamt 180 Sänger zusammen – das hat sich gelohnt. Unter Stabführung des Neuöttinger Kantonisten André Gold setzte das Schlusskonzert des Burghauser Konzertsommers am Freitag mit den berühmten Carmina Burana noch einmal einen glanzvollen Akzent.

Dicht an dicht pressten sich 180 Sänger sowie dieMusiker auf der Bühne. Unter Stabführung des Neuöttinger Kantonisten André Gold führten sie die Carmina Burana auf der Burg auf. − Fotos:Wetzl

So ein Werk aufzuführen, bedarf es Masse. Nur dann wirken die Gesänge, die auf zum Teil frivolen mittelalterlichen Texten aufbauen und von Carl Orff so klangstark vertont worden sind. Der Euregio-Oratorienchor zeigte sich der Herausforderung dieses Meisterwerks gewachsen. Die Einsätze kamen auf den Punkt, André Gold und Sigrid Weigl hatten gute Arbeit geleistet. Und in der Philharmonie Bad Reichenhall fand der Chor einen guten und routinierten Partner. Begrenzt war die Aufführung allein durch die Bühnengröße. Wie Heringe in der Sardinenbüchse dürften sich die Sänger gefühlt haben, und auch die Musiker saßen so beengt, dass sie gerade noch den nötigen Freiraum für die Bedienung ihrer Instrumente hatten. Dabei hätten dem Orchester für dieses Werk durchaus noch ein paar Instrumentalisten mehr gut getan.Wie die Sänger, waren auch
die Musiker bestens konzentriert. Technisch ist Orff ja keine Herausforderung, das Werk lebt von der Genauigkeit der Einsätze, der richtig dosierten Klangstärke. Streicher und Co. waren mit Leidenschaft bei der Sache, André Gold hatte auch hier stets die Fäden in derHand – in einer sehr guten Hand.

Die Solisten des Abends überzeugten: Sopranistin SophieMitterhuber, Tenor Florian Stern und Bariton Christoph Filler bekamen Rosen.

Die Soli waren bestens besetzt. Insbesondere den Bariton Christoph Filler und die Sopranistin Sophie Mitterhuber sollte man sichmerken. Filler sang souverän, meisterte gekonnt Falsettpassagen und zeigte sich routiniert genug, mit Gesten und Mimik frivole Passagen noch ausdrucksstärker werden zu lassen. Glockenrein sang Sophie Mitterhuber. Sie wirkte allerdings etwas angespannt, wofür es bei dieser Stimme überhaupt keinenGrund gab. Gelungen war das Konzert auch deshalb, weil die Technik es glänzend hinbekam, eine gute Akustik am gesamten Waffenplatz zu schaffen. Das Konzert begann eine halbe Stunde später. Denn aufgrund des herrlichen Wetters kamen überraschend viele Kurzentschlossene auf die Burg. Die
zunächst nur 1100 aufgestellten Stühle reichten hinten und vorne nicht. Es musste nachgebessert werden. An die 1400 Besucher meldet der Veranstalter für diesen Abend, der ein würdiger Abschluss der Konzertreihe war. Das Publikum applaudierte begeistert, alsZugabe wurde einer der 24 Gesänge nochmals vorgetragen.

Rainer Wetzl

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