Oratorium Elias – Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy, Gemälde von Eduard Magnus, 1846

Felix Mendelssohn Bartholdy, Gemälde von Eduard Magnus, 1846

Elias op. 70 (MWV A 25) ist ein Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy über die Geschichte des biblischen Propheten Elias. Nachdem der Stoff Mendelssohn 10 Jahre beschäftigt hatte, wurde das Werk am 26. August 1846 in Birmingham uraufgeführt. Es wurde vom zeitgenössischen Publikum begeistert aufgenommen und zählt bis heute zu den bekanntesten Werken des Komponisten.

Elias gab Mendelssohn die Möglichkeit zur Komposition von „recht dicken, schweren und vollen Chören“ (Brief vom 18. Februar 1837 an Klingemann); dies auch im Hinblick auf die erstarkten Singvereine, die nicht selten Hunderte von Sängern umfassten. Der Chor nimmt als Volk Israel, Baalspriesterschaft bzw. Chor der Seraphim an der Handlung teil. Das Orchester besteht aus 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Ophicleide (heute oft von einer Basstuba gespielt), Pauken sowie Streichinstrumenten, welche sich aus 1. und 2. Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabässen zusammensetzt.

Das Oratorium sieht folgende Solo-Rollenstimmen vor:

Elias – Bass
Die Witwe – Sopran
Obadjah – Tenor
Ahab – Tenor
Die Königin – Alt

Daneben wird eine Vielzahl von Solostimmen (bis zu acht im Doppelquartett) verlangt, sowie eine Knabenstimme.

Entstehungsgeschichte

Bereits 1836 las Mendelssohn seinem Freund Ferdinand Hiller eine Passage aus dem Elias-Bericht im 1. Buch der Könige vor. Mendelssohn war von der Gestalt des Elias fasziniert und wünschte sich auch für die eigene Zeit einen derartigen Propheten, „stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster“ (aus einem Brief an Schubring, 1838 [1]). Die erste konkrete Ankündigung Mendelssohns, dass er eine Vertonung des Elias-Stoffes plane, findet sich in einem Brief, den er 1837 seinem Jugendfreund Karl Klingemann schrieb.

Zusammen mit Klingemann entwarf er noch im Sommer desselben Jahres innerhalb von zwei Wochen ein Szenarium für den Elias, das Klingemann in der Folge durch eigene Verse und biblische Prosa hätte ergänzen sollen. Klingemann reagierte jedoch nicht auf die mehrfachen Bitten Mendelssohns, die Verse zu vollenden. Daher beendete Mendelssohn im Mai 1838 die Zusammenarbeit mit Klingemann und wandte sich stattdessen an den Dessauer Pfarrer Julius Schubring, von dem bereits der Text zu Mendelssohns Paulus stammte.

Zunächst ruhte die Arbeit jedoch, bis Mendelssohn im Juni 1845 vom Manager des Musikfestivals in Birmingham eingeladen wurde, dort ein neues Oratorium aufzuführen. Von der Textvorlage Schubrings, der den Stoff neutestamentlich deuten und an vielen Stellen des Textes Hinweise auf Christus einfügen wollte, verwendete Mendelssohn jedoch nur, was seinen eigenen Vorstellungen dienlich war: Er wollte strikt bei dem Geschehen des Alten Testaments bleiben und machte lediglich mit einem „Anhang“, der das Kommen des Messias prophezeit, ein Zugeständnis an Schubring.

War die Arbeit Mendelssohns an dem Stück zunächst von rein künstlerisch-ethischen Ansprüchen geprägt, so musste er nun unter Zeitdruck ein Werk liefern, das dem Rahmen des Birmingham Music Festival gerecht wurde, was zur Folge hatte, dass nach der ersten Aufführung eine tiefgreifende Umarbeitung erfolgte.

Dramatischer Aufbau und musikalischer Ablauf

Im ersten Teil des Elias erleben wir einen starken, kämpferischen Propheten, der sich auflehnt gegen die Vielgötterei der Königin im Nordreich, die als Kananäerin z. B. dem Baalskult anhing. Elias suchte diese Entwicklung zu stoppen und alle Juden hinzuwenden zu dem einen Gott: Jahwe. Im Zentrum steht also die Auseinandersetzung Polytheismus gegen Monotheismus. Im zweiten Teil erleben wir einen resignierenden, lebensüberdrüssigen Elias, der erst nach einer Zeit in der Wüste am Tiefpunkt seines Lebens wieder unter das Volk geht und eine Theophanie – ähnlich wie zuvor Moses und später Jesus Christus – erlebt. Seine Himmelfahrt sollte eigentlich nach Mendelssohns Willen das Stück abschließen. Schubring brachte ihn jedoch dazu, noch einen Anhang zu komponieren, der mit der Vertonung von prophetischen Hinweisen auf Christus doch noch die Verbindung zum Neuen Testament herstellt.

Die Sorge um Wasser bildet den dramatischen Spannungsbogen des ersten Teils des Oratoriums. Die einleitende Ankündigung einer mehrjährigen Wasserknappheit durch den Propheten Elias („So wahr der Herr“) wird durch drei absteigende Tritoni untermalt. In der Ouvertüre steigert sich das Orchester zu einem mächtigen Crescendo, worauf der Chor mit einem Bittgebet („Hilf, Herr!“ und einem anschließenden A cappella-Rezitativ („Die Tiefe ist versieget!“) einsetzt. Nach der Episode mit Elias und der Witwe von Zarpath („Was hast du an mir getan“) folgt die Auseinandersetzung mit König Ahab und den Baals-Priestern. Ihre Rufe: „Baal, erhöre uns!“ werden von Elias mit „Rufet lauter!“ verspottet. Den Abschluss des ersten Teils bildet das großangelegte „Regenwunder“, eingeleitet durch einen Dialog zwischen Elias und einem den Himmel beobachtenden Knaben, bis schließlich aus dem Meer eine kleine Wolke aufsteigt, die unter dem Jubel der Menge rauschende Regengüsse hervorbringt.

Der zweite Teil beginnt mit der Arie „Höre, Israel“, die ursprünglich für die Sopranistin Jenny Lind geschrieben wurde. Er ist weniger dramatisch als der erste Teil, enthält aber zahlreiche lyrische Momente, insbesondere die Arie „Es ist genug“, in der Elias’ verzweifelter Lebensüberdruss zum Ausdruck kommt. Besonders berühmt ist das A cappella-Terzett „Hebe deine Augen“ für drei Frauenstimmen.

Der zweite Teil zeigt die insgesamt bittere Niederlage des Propheten. Die Königin hetzt das Volk zum Mord am unbequemen Mahner Elias auf, der in der Wüste von Engelschören auf den Berg Horeb geleitet wird und in der Begegnung mit dem unsichtbaren Gott den Höhepunkt seines Prophetenlebens erfährt. Er zieht erneut mit neuem Mut zum Kampf gegen die Götterverehrer aus und fährt am Ende seines Lebens in einem feurigen Wagen gen Himmel. Der Schluss kündigt dann die Ankunft des Messias an, der sein Wirken fortführen wird.

Quelle: Wikipedia