Einladung zum Abschlusskonzert des Raitenhaslacher Klostermarktes

„Gloria“ – auf „Alt“ trifft „Neu“

 

Zum wiederholten Mal tritt der euregio oratorienchor im Rahmen des Raitenhaslacher Klostermarktes in der prächtigen Klosterkirche St. Georg am Sonntag, den 30.06.2019 um 18:00 Uhr unter Leitung von Dirigent André Gold zusammen mit den Bad Reichenhaller Philharmonikern auf. Ein kontrastreiches Programm erwartet die Zuhörer. Wie unterschiedlich der Gloriatext der Messe vertont werden kann und wie weltumfassend die musikalische Sprache ist, zeigen die Hauptwerke des Konzertes. Vivaldis „Gloria“ RV 589 zählt zu den bekanntesten und am meisten aufgeführten geistlichen Vokalwerke der Barockzeit. Koloraturen, festliche Bläserfanfaren und reicher Generalbass schmücken das eigenständige Werk – ähnlich einer konzertanten Messe. Es wurde damals und heute auch im Rahmen der Liturgie aufgeführt. Die solistische Besetzung mit zwei Sopranen und einem Alt legen die Vermutung nahe, dass Vivaldi sein „Gloria“ während seiner Zeit am Ospedale della Pietà etwa um 1716 komponierte. Insgesamt zwölf Teile umfasst das mitreißende Werk, welches italienisches Flair verbreitet und dem die wunderschöne Raitenhaslacher Klosterkirche den festlichen Rahmen geben wird.

Karl Jenkins zählt zu den zeitgenössischen Komponisten und hat sich knapp 300 Jahre nach Vivaldi demselben geistlichen Text gewidmet. Wie Vivaldi stellt er die religiöse Aussage in den Vordergrund und ergänzt sie um kurz rezitierte Texte aus heiligen Schriften des Hinduismus, Buddhismus, Daoismus und Islam.

Den lateinischen Text des Gloria teilt Jenkins in drei Sätze auf, verbunden mit Vertonungen von Psalm 150 auf Hebräisch und einem englischen Lied mit biblischem Hintergrund. Im Gegensatz zum Barock besticht Jenkins‘ Musik durch einfache, oft rhythmisch sich wiederholende und dynamisch aufbauende Strukturen mit einem Hauch von weltlicher Gestik – erinnernd an Filmmusiken. Ähnlich seinem bekannten „Adiemus“ spielen dabei die Perkussioninstrumente eine große Rolle, die mit ihren eingehenden Rhythmen eine fast „tranceähnliche“ Wirkung erzeugen. Dem gegenüber stellt der Komponist seinen einzigen solistischen Satz für Solosopran „I make music“ gegenüber. Man fühlt sich auf den Broadway versetzt in die 50er Jahre, in die Spielzeit von Bernsteins „West Side Story“. Dass Jenkins ein Fan von Bläsermusik war erkennt man in den Anfangs– und Schlussteilen des groß instrumentierten Werkes. Mit eingängigen Blechbläserfanfaren und einem rhythmisch deklamierenden Chorgesang, welcher so wirkt als würde er das Publikum zum Mitsprechen auffordern, endet das mitreißende Werk.

Ein musikalisch abwechslungsreicher und spannender Abend, basierend auf dem uralten tradierten Hymnus der Religionen. Dass Musik unterschiedlichste Kulturen verbindet wird von Vertretern der Weltreligionen, welche die jeweiligen Texte der biblischen Schriften rezitieren werden, unterstrichen. Ein Konzertabend im Zeichen des Friedens.